HISTORY
Vieles ändert sich allmählich, manches plötzlich und einige wenige Dinge werden wohl immer so bleiben, wie sind nun mal sind.
Auch bei den Ducks und im österreichischen Baseball allgemein haben sich (gottseidank) so manche Veränderungen eingeschlichen – und so kommt es, daß unsere Gründerzeit langsam in Vergessenheit gerät und wir uns manchmal fragen: was wurde eigentlich aus …. ?
Also werden hier wohl ein paar dunkle Geheimnisse gelüftet und Wahrheiten ans Tageslicht gezerrt, die mancher gerne vergessen und verdrängt hat…..
Doch zuvor wollen wir die Frage klären, warum in Wiener Neustadt ÜBERHAUPT Baseball gespielt wird?
Und warum wir ausgerechnet zu den DIVING DUCKS geworden sind?
Welcher Teufel hat uns geritten, vor 25 Jahren diesen Verein zu gründen?
Nun ja, 1979 übersiedelt Marlene Cambell mit ihren Söhnen nach Wien. Diese meinen: „Vienna is great, but where is Baseball?“: Also gründen sie kurzerhand mit Gleichgesinnten ein Team: die Vienna Roadrunners. Bei einem Übungsspiel auf einer Wiese im Prater fallen ihnen die Augen aus dem Kopf. Da gibt es doch tatsächlich noch eine andere Baseball Mannschaft: die „City Boys“! Beide sind bald darauf Geschichte, aber Marlene Campbell wird Präsidentin des Österreichischen Baseball Verbandes werden, genauer gesagt 1983, und so als „the kissing president“ früher oder später auch in Wr. Neustadt landen…. denn es kommt so, dass auch hier irgendwann einmal ein Kerl in knackig geschnittener Hose auf einem Hügel steht und einen ledernen Tennisball zu einem anderen Kerl wirft. Dieser wiederum versucht ihn mit einer großen Holzkeule zu treffen. Das ist natürlich nicht einfach und so bleibt es meist beim Versuch und er verprügelt mit den meisten Schlägen bloß die umliegende Atmosphäre. Schließlich trifft er doch noch den Ball und da kommt plötzlich Leben in die Runde: die Knack-Hose wirft den Prügel weg und rennt zu einem seiner Spielgefährten. Warum bloß? Und auch all die anderen Typen, die vorher nur herumgelungert sind, beginnen auf einmal auch zu laufen und springen und fangen und werfen, bis der Ball wieder an seinen Ausgangspunkt zurückgekehrt ist. Und dann sagt einer: „Gutes Spiel.“…….Ja, heute sagen wir Baseball dazu, sind als die „Biertrinker und Schreihälse vom Ducks-Balkon“ bekannt, diskutieren über Infield Flys, ERAs, Suicide Squeeze und was weiß der Teufel sonst noch. Damals machten wir eher den Eindruck ein paar netter Jungs aus der Nervenheilanstalt beim Freigang. Eigentlich sieht das ja alles ganz harmlos aus und so erzählt Heinz Andersch dem Wiener: „Baseball is eh relativ ungefährlich, weil man kaum Körperkontakt zu den Mitspielern hat. Fair, aber kein Mädelsport.“ Beim Fototermin konnte er allerdings nicht mitspielen, weil er den Arm in einer Schlinge trug. Es passierte beim forschen Reinrutschen an einer Base. Außerdem sollte der Anfänger versuchen, nicht vom Ball getroffen zu werden. Denn unter der Lederhaut steckt eine Hartgummikugel, die im Ernstfall so weh tut, wie ein Stein auf den Schädel. Patscherte haben es nicht leicht beim Baseball, ein Spieler der Ducks ist sogar daran gescheitert, erzählt Heinz Andersch: „Der Klausi war eine Legende. Der kriegte bei fast jedem Spiel einmal den Ball in die Goggerln. Jetzt hat er aufgehört….“ Das war 1992, der gute Mann hieß Klaus Schmidt, hatte offenbar keinen Eierbecher und wir hoffen, daß er keine dauerhaften Schäden davongetragen hat. Aber alles der Reihe nach:
Langsam verblassen die Erinnerungen an die zahlreichen skurrilen Spielzüge der Anfangsjahre, unsere baseclearing Errors, mit denen wir uns lästiger Baserunner entledigten, die Jahre in denen wir jedes Inning vier Outs gemacht haben (sicher ist sicher) und die Zeiten, als wir nach den Heimspielen gegen unsere „Lieblingsfeinde“, die Vienna Bucks, zum Otto-Wirten fuhren: zum Wettessen gegen den Buchelt Robert und den Döller Michl . Die beiden haben übrigens gewonnen … Begonnen hat alles in dunkler Vorzeit, vor 25 Jahren. Wahrscheinlich an einem verregneten Nachmittag im Weninger. Da wird uns fad gewesen sein und so haben wir begonnen, Schnapsen mit lebenden Figuren zu spielen. Weil uns das dann doch zu schräg war und wir das gegen niemanden spielen konnten, überlegten wir, auf „Posteln“ oder „Hornussen“ umzusteigen (beides gibt´s wirklich, aber leider nur in der Schweiz). Irgendein Hirni hatte dann die Idee, wir könnten auch Rugby spielen – wie richtige Männer. Nach einem Versuch, der mit blauen Flecken und etlichen Wehwehchen endete, entschlossen wir uns die Weichei-Version American Football zu nehmen. Außerdem hätten wir da viel schönere Helme und Schulterpolster, die Mädels würden das lieben. Also schickten wir Erich nach London, denn dort gibt´s ja sowas zu kaufen. Was dann geschah konnte nie wirklich aufgeklärt werden. Ist Erich einfach über ein Ladenhüter-Baseballset gestolpert? Hatte er Angst, im Football-Geschäft ausgelacht zu werden? Wurde er von einer Baseball-Gang gezwungen, einen Handschuh und einen Schläger zu kaufen? Wir haben es nie erfahren, aber unsere Gesichter waren ratlos, als er damit stolz im Weninger ankam. Na gut, dann spielen wir eben Baseball, ist fast so gut wie „Posteln“.
Im Spätsommer 1987 ist es dann soweit: ein paar fesche Kampeln aus Wiener Neustadt und Umgebung betreten die Baseballbühne. Na gut, die Baseballbühne, die wir meinen, war damals weder international, noch national. Nicht einmal regional würde man meinen, denn genauer gesagt war es die Wiese hinter der Polytechnischen Schule und der Neuklosterplatz. Quasi ein weisser Fleck, ödes Niemandsland auf der Baseball-Weltkarte. Mit ein paar Freunden wird begonnen, wie deppert einen Ball zu werfen, nicht zu fangen, ihm hinterherzurennen, aufzuklauben, wieder zu werfen, erneut nicht zu ….den Rest kann man sich denken. Zwischen den Bierpausen wird sporadisch trainiert, weil sinnvoll ist das ganze sowieso nicht. Eher ist es eine exotische Bewegungstherapie für chronische Kaffeehaus-Sitzer. Eine der unzähligen Legenden, die sich um unsere Vereinsgründung spinnen, will es, dass sich einer aus der Partie einen Baseballschläger für eventuelle Meinungsverschiedenheiten zugelegt haben will, aber wie auch immer: Erich, Walter, Wolfgang, Heinz und Michael Z – so hiessen die Animateure von damals, die uns zu diesem Unsinn angestiftet haben und anfangs alles besser wissen. (Die Alternative wäre übrigens eine Tretbootregatta gewesen und wer uns kennt, der weiss, dass das kein Witz ist…). Schnell finden wir heraus, dass besagte Personen nur unwesentlich mehr oder gar nichts wissen, oder ihr gefährliches Halbwissen aus zwei alten VHS-Kassetten bezogen haben und so breitet sich der unter Haberern übliche Trainingsanarchismus rasend schnell aus. Das gemütliche „auf der Wies´n abhängen“ hat allerdings ein jähes Ende, als man zur allgemeinen Überraschung dann im Winter 87/88 feststellt, dass es in Österreich auch andere Vereine gibt und so beginnt der abstruse Gedanke einer Vereinsgründung um sich zu greifen. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf und helle Aufregung bricht aus, als es genau am 25. März 1988 im Gasthaus Pucher ein vereinsvorbereitendes Treffen gibt, bei dem der Vereinsname, die Vereinsfarben, die Dressen, der Vorstand, die Vereinsgründung und überhaupt alles, heiss diskutiert werden. Am Ende der Geschichte stehen Walter Leinweber als Obmann, Erich Allinger als Stellvertreter, Heinz Andersch als Kassier und Wolfgang Leinweber als Schriftführer im Regen und dürfen sich zur Erleichterung aller anderen um die Vereinsgründung kümmern. Den Pucher gibt´s nicht mehr, nicht einmal die Ruine, in der er war. Statt dessen klafft in der Gröhrmühlgasse und in unserer Klubgeschichte nun eine architektonische Lücke. Man wird den Verlust verschmerzen können. Immerhin, die Diving Ducks gibt’s noch immer. Und zwar seit genau diesem Tag unter diesem Namen. Wolfgang sei Dank. Auch die Klubfarben rot/schwarz/weiss stehen seit damals fest. Fili sei Dank, obwohl: rot und weiss sind ok, nur die schwarzen Dressen (unter der Hand auch: „schwoaze Panier“ oder „schwoaze Sau“ genannt) hätte er uns ersparen können. Man bedenke allerdings, es gab nur einen Gegenvorschlag, und der wäre gelb/lila gewesen… An dieser Farbkombination hätte Andy Warhol sicher eine Freude gehabt, aber der beisst in diesem Jahr ins Gras. Auf selbigem sind die grundlegenden Dinge nun ins Rollen geraten und die Urducks können getrost zur Baseball Amateur WM 1988 in Italien fahren und dort so tun, als wüssten sie, worum es geht. Wir infizieren uns endgültig mit dem Baseballvirus und sind für nichts anderes mehr zu gebrauchen. Lustig gestaltete sich die erste Sitzung im Wirtshaus Pucher, weil wir ja noch den Namen brauchten. Vorschläge gab es genug – in Erinnerung geblieben sind: Roter Stern Wiener Neustadt, Vorwärts Wiener Neustadt, oder Lokomotive (Turbine) Wiener Neustadt. Entwürfe für Dressen dazu gab es auch schon: eine Hacklerblaue und Lokführer-Mützen. Schnell haben wir herausgefunden, das der Verband diese Dressen nicht zulassen würde (und die Gemeinde hätte sicher auch eine Freude mit uns gehabt), also zurück zum Start. Nächster Versuch: die Steinfeld Krähen oder die Ettrich Tauben. Auch nicht so prickelnd. Ein anderer Vorschlag von Heinz A.: Dingelingdong Daddies from a Rock ´n Roll City. Der ist ausgeschieden, weil wir das auf kein Dress draufgekriegt hätten, nicht mal als Abkürzung! So kriegten wir langsam den Blues, oder besser gesagt Wolfgang L., der kriegte ihn. „If the river was whiskey and I was a duck, I’d dive to the bottom and I’d never come up“ – das erschien uns nicht nur glaubwürdig, sondern entsprach auch ganz unserem Naturell und so wurden wir die Diving Ducks, gegründet aus einem durchsetzten Haufen von Musikern, Staplerfahrern, Kaffehaussitzern, Kapitänen, Billardspielern, Ingenieuren, Querulanten, Schlossern, Flaschenwäschern, Glaserern, Studenten und anderen Nasenbohrern, Besserwissern und was weiß ich sonst noch. Ein Motto hatten wir auch schnell zur Hand: „SEX AND DRUGS AND DIVING DUCKS!!!“ – dafür sind wir Nossi heute noch dankbar (der hat in der Relegation gegen die Tigers auch den „Supermario“ erfunden, den Nintendo später von uns geklaut hat…) So kennt heute kaum einer noch Namen wie Paul Frey oder Hermann Hauke. 2 Männer der ersten Stunde. Tja, den Namen Hauke würden wir heute noch alle kennen, hätte sich sein Vorschlag für unsere Vereinsfarben durchgesetzt: braun und taubenblau. „Wenn wir schon Enten sind, dann müssen wir auch so aussehen!“ Wahrscheinlich hätten wir uns auch noch einen Pürzel aufpicken müssen… Auf ein paar rote und schwarze Leiberln wird Ducks ausgeflockt und die Dagobert Duck Kappen zieren von nun an unsere Köpfe. Die haben so eine dicke Schaumgummieinlage, dass es darunter gut und gerne 100 Grad kriegt, weshalb uns wahrscheinlich die Haare ausgefallen sind.
Betrachten wir nun die Ducks-Dressen der Neuzeit, so glänzt mancher Spieler durch eine runde Ausbeulung in seiner Gesäßtasche, verursacht durch das ständige Mitführen einer Dose Kautabak, Dip, was auch immer. Kaum entdeckt, wird er von Mitspielern und freundlich gesinnten Gegnern sofort begrüßt: „Oida, host an Dip fia mi?“ Früher war das nicht viel anders, allerdings waren die Ausbeulungen rechteckig und rührten von der Verpackung von Rauchwaren her – und die Frage lautete: „Oida, host an Tschik fia mi?“ Bei unseren Kollegen von den Wiener Vereinen stammten sie von den kleinen Regelbüchern, die sie so immer griffbereit hatten, um unsere unkonventionelle und neuartige Interpretierung der official baseball rules im Keim zu ersticken. So kam es, daß Ducks-Pitcher Robert W. (aka Zeus) das Aufsehen des Umpire erregt, als er in die Batters Box tritt. Vom Schiedsrichter gefragt, was er denn da eingesteckt hätte, vermutet er, der Schiri wolle ihm eine abschnorren und antwortet ehrlich. „Flirt ohne Filter. Wüst ane?“. Der Rest ist Geschichte und Robert W. verfolgte den Rest des Spiels aus dem Dugout. Ebenso erging es Michael S., der partout nicht einsehen wollte, daß er seine nietenbesetzten Motorradhandschuhe nicht als Schlaghandschuhe verwenden dürfe. Anderes Spiel, selbe Darsteller: Rundown-Play, schwieriges Thema für Anfänger. „Der Baserunner darf die gedachte Linie zwischen zwei Bases nur um XY verlassen, sonst ist er out!“ Zwischenfrage von Michael S.:“Waun i oba mit an Kungfu-Sprung zwa Meta üban Baseman drübahupf auf di Base, bin i daun save?“ Kurze Zeit später hatte Michael S. Redeverbot. Dann versucht wieder Pitcher Robert W. sein Glück an der Platte. Es folgt der wohl schönste Moment in seiner Karriere als Schlagmann. Alu trifft Leder und dieses verlässt das Infield. Robert W. wittert seine Chance. Diesmal wird es ihm gelingen, die erste Base zu umrunden und ein bis zur zweiten vorzustossen. Gesagt, getan, mit Volldampf begibt sich sein Körper auf die Reise, pfeilschnell über die erste Base. Mit großem Bogen holt er aus, um sich auch die Zweite zu schnappen. Mit großer Verwunderung beobachten ihn seine Kameraden aus dem Dugout. Je mehr er an Geschwindigkeit gewinnt, umso weiter treibt ihn die Fliehkraft nach außen. Die Infielder stehen ratlos bei den Bases und sehen zu, wie sein Baserunning völlig aus den Fugen gerät. Auf der Suche nach der zweiten Base kommt Robert W. schließlich beim Centerfielder an. Zu diesem Zeitpunkt hat auch der Umpire genug. Lauthals gibt er den Runner out, doch Robert W. kann ihn nicht hören. Er steht noch beim Centerfielder, der ihm den Weg zur zweiten Base zeigt. Auf dem Weg ins Dugout leuchten seine Augen sehnsüchtig auf, als er an der Zweiten vorbeikommt.
Nichtsdestotrotz gewinnen die Ducks im September 1988 in Wien Strebersdorf ein Einladungsturnier gegen die Vienna Falcons und die Vienna Suspenders. Im Oktober folgt die konstitutionierende Generalversammlung im Gasthaus Glockenstüberl. Wir haben es für unsere Vergangenheitsbewältigung extra fotografiert, denn sonst glaubt uns ja keiner, wo wir herkommen…(jeder kann sich jetzt vorstellen, wie der Pucher ausgesehen hat). Ein paar interessante Zahlen zu diesem Jahr gibt es auch: Die meisten Basehits 1988 erzielten Thomas Nosko und Christian Filarowski mit je 2 Hits (in Worten: ZWEI). Hari Schindel hat sogar ein Double geschlagen und ist damit allein auf weiter Flur. Pitcher Wolfgang Leinweber und Shortstop Andreas Zoufal schaffen einen Batting Average von 0,000? Beeindruckend sind auch die je 4 Runs, die Werner Kornfeld und Walter Leinweber in dieser Spielsaison erzielen. 3 Bases wurden gestohlen. Wie zu erwarten, war Martin Zoufal daran nicht beteiligt. Sein Bruder Andreas konnte 2 Putouts und 3 Assits sammeln. Natürlich nur, weil wir den Linkshänder fachmännisch als Shortstop aufgeboten haben….Mit solchen Tricks können nicht einmal die LA Dodgers mithalten, und die gewinnen bekanntlich in diesem Jahr die World Series. Erich Allinger ist in der Zwischenzeit abhanden gekommen, wahrscheinlich hat er herausgefunden, dass er eigentlich Squash spielen wollte und sich einfach beim Kauf der Ausrüstung geirrt hat. Egal, wir melden uns forsch für die Regionalliga Ost Meisterschaft 1989 an, die wir ja schließlich gewinnen wollen, um im Jahr darauf Bundesliga-Meister zu werden und spätestens 1994 den Europacup aufzumischen. Basta. Im Nachhinein gesehen ein doch recht ambitioniertes Ziel….
Auf dem Weg dorthin geißeln wir uns selbst und schmeissen uns in enge rot-weisse Pinstripes. Fortan sehen wir aus wie Würstchen in Strapsen. Einziger Lichtblick auf der Dress ist der Sponsor: „Wieselburger Bierinsel“. Zumindest da waren wir vorn. Trotz allem kommt mit Ted Thoren im Mai nicht nur ein außergewöhnlicher Coach (College Hall of Fame), sondern vor allem ein großartiger Mensch und späterer Freund zu uns. Bei einer Baseball-Clinic auf der 50m2 Wiese der Privatschule Grill, muss er etwas gesehen haben, was wir nicht sahen: natürlich nicht Talent, sondern Herzblut und Begeisterung. Ok, vielleicht auch die eine oder andere Flasche Hochprozentiges, schließlich tauft er spontan einen der Spieler in „the Smirnoff Kid“ um…., Später kommen am 28. Mai 250 Zuschauer zu den ersten Baseballspielen in Wiener Neustadt, die am Sportplatz der Europaschule gegen die Homerunners II 11:13 verloren und gegen die Vienna Suspenders 17:1 gewonnen werden. Dort werden die Ducks auch die nächsten zehn Jahre bleiben und nicht nur mit den Gegner sondern auch mit den Gelsen kämpfen. Auch in Wien spielen wir mitten im Gelsengebiet: dort liegt im Wiener Prater das damals einzige, ausschließlich für Baseball genützte Spielfeld: eine staubige, holprige G´Stätten nahe dem Lusthaus.. Und selbst diesen Platz bekamen die Baseballer nur, weil kein Fussballklub mehr darauf spielen wollte. Es ist zwar kein „Field of Dreams“, das gibt es nur im Film der 1989 erscheint, aber immerhin….. Im August des Jahres gibt es wieder Beeindruckendes zu vermelden: Walter Leinweber schlägt ein Triple! Eine Teufelsleistung, die ihm in diesem Jahr keiner nachmacht. Andreas Zoufal hingegen kann an der dritten Base aus Versehen nicht haltmachen und scheint in der Jahrestatistik nun mit einem prestigeträchtigen Homerun auf. Hut ab! Nach 14 Spielen in der B-Meisterschaft schaffen wir als Zweiter den Aufstieg in die A-Liga 1990 und glauben allen Ernstes, dass wir gut wären! In der Folge kommt der Verein auf die wahnwitzige Idee, die Austragung des 4-Länderturniers mit Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz zu übernehmen. Einige Vereinsmitglieder werden dadurch an den Rand einer Leberzirrhose gedrängt, siehe Fili und Rainer, denen das Turnier gut und gern 5 Jahre gekostet hat. Poidl Andersch und Martin Zoufal haben Pech, schaffen den Sprung in den Nationalteamkader und müssen ausnahmsweise nüchtern bleiben.
Später kam Franta, unser erster „richtiger“ Coach. Tja, wir wissen nicht, wie viele offene Magengeschwüre unsere Auffassung von Baserunning bei ihm hinterlassen hat, aber sein entsetzter Blick und seine verkrümmte Körperhaltung als 3rd Basecoach ist uns in Erinnerung geblieben. Zu dieser Zeit hatten die Pitcher der Ducks die auffällige Tendenz, mit ihrem wild pitches hin und wieder sogar den Backstop zu überwerfen. Um dieser Tatsache entgegenzuwirken, begaben wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Catcher, da sowohl Wolfgang als auch Fili zwar filmreife Paraden im Stil von Friedl Koncilia oder Walter Zeman liefern konnten, aber gegen die Überwürfe aufgrund mangelnder Körpergröße einfach chancenlos waren. In Windeseile wurde ein Catcher in der Person von Roman Kaubek gefunden, von dem wir dachten, daß man ihn wegen seiner 2,04 Meter nur schwer überwerfen könne. Aber auch das haben wir hingekriegt und es ist das Verdienst von Frantisek Rudl, daß wir schließlich den großen Kaubek auf den Hügel und den kleinen Kaubek in die Sandkiste stellten. Franta hatte auch die eigenartige Vorstellung, dass Rainer eine Art Erdhörnchen sei und erwartete von ihm, dass er jederzeit und überall im Infield plötzlich auftauchen würde, um die Gegner out zu machen. Wir konnten unsererseits nie eine Ähnlichkeit zwischen Rainer und einem Erdhörnchen feststellen. Und das alles in der Zeit der peinlichen weißen Dressen mit roten Pinstripes. Was haben wir uns nicht alles selbst angetan. Naja, eigentlich waren die Pinstripe-Dressen gar nicht so schlimm, wenn man daran denkt, dass Geri M. als erste Baseballhose eine Pyjamahose von seiner Oma hat enger nähen lassen. Vielleicht war es auch eine Jogginghose, aber wir glauben, es war ein Pyjama…. Gottseidank hatte in der Zwischenzeit Wolfgang L. den Slurve erfunden, seine unnachahmliche Geheimwaffe. Er konnte seinen Fastball so langsam werfen, daß dieser aufgrund mangelnder Geschwindigkeit und durch Einwirkung der Gravitation eine curveballähnliche Flugbahn beschrieb, ohne daß sein Erfinder jemals eine Ahnung gehabt hätte, wie man einen Curveball wirft! Beeindruckt von dieser außergewöhnlichen Begabung wurde Wolfgang L. sogar von Ted Thoren, dem Headcoach der Cornell University zu einem Trainingslager nach New York eingeladen. Dort staunten die Freshmen des Baseballteams nicht schlecht, als ihnen der Slurve vorgeführt wurde und wir können mit Gewissheit und Stolz berichten, daß keiner von ihnen jemals in der Lage war, so langsam zu werfen. Genausowenig, wie sie in der Lage gewesen wären, 10 oder 12 Biere während eines Studiennachmittags in der Library zu bewältigen. Einzig und allein Duncan Cambpell der Dritte nahm die Herausforderung an und erschien sogar im folgendem Jahr zu einem Biertrinktrainingslager in Wiener Neustadt, wo er ernüchtert feststellen mußte, daß Bud light gar kein Bier ist (eine Tatsache, die Justin Fancher etliche Jahre später ebenfalls erkennen mußte, woraufhin er zuerst im Paddy Joe´s auf der Bar tanzte und dann gleich nach Prag übersiedelte…). Soweit wir wissen, war Duncan übrigens der erste Amerikaner, der nach Österreich gekommen ist, um Baseball zu spielen (und auch wußte, wie das geht). Leider waren wir verbandstechnisch damals ein wenig unorganisiert, so dass wir ihn nur zwei Spiele einsetzten konnten. Schade, denn wir fanden es witzig, wie die Batter der gegnerischen Mannschaft (sie trugen übrigens grüne Leiberl) aus Protest die Schläger verkehrt hielten , mit dem Griff nach dem Ball schlugen und vor sich hin schimpften:“derf der des überhaupt? des is jo g´fährlich, waun ana so schoaf wirft!“ Es ja alles nur eine Frage der Interpretation.
Wir Ducks haben bei der Regelkunde ja immer schon geglänzt und immerhin haben wir recht rasch kapiert, dass wir einen Runner nicht out machen können, indem wir ihn mit dem Ball abschießen. Schade eigentlich, denn wer damals ganz genau hingesehen hat, konnte manchmal auch ein so kleines bewegliches Ziel namens Einmeter durchs Infield wuseln sehen. Der war aber nicht von uns, deshalb haben wir ihn immer mit dem Ball verscheucht. Das hätten wir auch gerne mit Sasso gemacht, der war seines Zeichens Pitcher und von den Bulldogs. Ihm war´s egal, weil wir ihn nicht erwischt haben. Und seinen Fastball erst recht nicht. Ich kann es noch heute hören:“jawollll Sasso!!!, Super Sasso!!!“. Gar nicht super hat er es gefunden, als ihm Walter die Kugel zurückgedroschen hat. Walter hat es auch nicht super gefunden, weil er es beim nächsten at bat bitter bezahlt hat. Den Fleck hat man ein halbes Jahr lang gesehen. Zufall natürlich. Garrett Leslie Ramon war auch ein Zufall. Und ihm war in erster Linie kalt. Was hat dieser Mann aus Honduras bei uns gefroren. Zum Aufwärmen hat er uns Bälle aufgeschlagen. Die Angst die einen überkommt, wenn man den Flyball nicht mehr sehen kann, weil er so hoch ist und man nicht weiß wo er runterkommen wird, oder ob das Pocket das überhaupt aushalten kann, werd ich nie vergessen. Aber das breite Lachen in seinem Gesicht war es wert. Das Gegenteil von Sasso hieß Rofohl. Wir glauben, er hat jahrelang den Slurve studiert und dann das „Semmerl“ erfunden. Der Semmelwerfer aus Wien war des öfteren unser Untergang. Er hat quasi die Semmeln serviert und uns dann gleich zum Frühstück verspeist… Überhaupt könnte man sagen, dass das Schlagen nicht die größte Stärke der Ducks gewesen ist. Wobei es natürlich auch schöne Ausnahmen gegeben hat. 1990 in Schwaz zum Beispiel. Ein kantiger Kerl namens Walli wirft und wirft. Wir schwingen und schwingen. Christian F. kommt zu Schlag. Er sieht den Ball kommen, schließt die Augen und wuppt drauf. Weg ist die Kugel und der Jubel ist groß, als sie sich irgendwo hinter dem Leftfield vertschüsst. Beim Inningwechsel wird das soeben Geschehene natürlich diskutiert, analysiert und nachgestellt („i hob afoch die augn zuagmocht“), als es plötzlich finster wird. Vor der Bank der Neustädter schiebt sich Walli in die Sonne. Es wird still, als er seine Stimme erhebt:“Wer von eich Maundern hot den Boll wekchkschlog´n?“ Alle zeigen stumm auf Fili, der betreten links aussen sitzt. Walli kneift die Augen zusammen, holt aus. Seine Hand schiesst vor – um dem verdutzten F. die Hand zu schütteln. „S´isch brrrutal, odrrr? Sowos hob i no nit kchsegn. Durt hot jo no kchoana hinkchschlogn, s´isch brrrutal, echt woa!“ Von da an, war uns der Mann irgendwie sympathisch. Leider gab´s an diesem Tag für uns kein Fass Bier, denn Obmann Walter L. hatte schon bei der Gründung der Ducks voller Euphorie ein Fassl Bier für den ersten Homerun ausgesetzt, ohne zu ahnen, daß Fili ernst machen würde und am 23. Mai 1989, gleich im ersten Meisterschaftsspiel der Ducks die Pille über den Zaun haut. Oder wie wir damals meinten: einen HOMRUN schiesst (siehe Faksimile).
1989 ist übrigens das Jahr, in dem Scherzal zwar noch kein Duck ist, aber immerhin auch schon 20 Jahre alt, weshalb er bis zum heutigen Tag als Inbegriff purer Routine gelten darf. Und seinen begnadeten Körper hatte er damals auch schon, genauso wie 1st Baseman Christian „Conan“ Wagner, von manchen auch „Soletti“ gerufen. Bei einer Körpergröße von geschätzten 1,94 und einem Lebendgewicht von gut gemeinten 58 kg kein Wunder. Das Fass Bier hat Walter übrigens bezahlt, aber für weitere wollte er keine Kohle rausrücken… Sympathisch war uns auch Boidl Andersch, weil der hat bei uns gespielt. Er war das Outfield, die anderen 2 Figuren da draussen waren eher Beiwerk und durften mit Routine die Foullines bewachen. Der Rest gehörte ihm. Bei Boidl gabs nur eine Richtung, die war vorwärts und es gab nur ein Wort und das hieß „meiner!“. So enthusiastisch er auch beim Bällefangen war, beim Werfen fing der Spass erst richtig an. Zuerst der Crowhop. Während wir anderen danach meist einen Knopf in den Beinen hatten, ging Boidl der Crowhop leicht von der Sohle. Elegant und schwungvoll hat er damit gleich ein paar Meter gutgemacht. Dann: zick-zack eine Ausholbewegung, gegen die der Knickarmwurf von Niki Putnik ein Schmarrn war. Und schon sauste der Ball aus dem Centerfield in Richtung Infield. Oder darüber hinaus. Zum Beispiel in Schwaz. „Wie geht das denn?“ dachten wir uns alle. Da hampelt da draussen einer herum, fängt einen Flyball im Centerfield und weil sich der Runner auf der Zweiten erfrecht, mit einem tagup einen Punkt zu scoren, pfeffert Boidl den Ball aus gut 70 Meter über die Homeplate, den Backstop, einen Vorplatz und schließlich irgendwann aufs Blechdach eines stockhohen Hauses dahinter. „Waunst esch hinkchmocht hoscht, nocha muascht es zohln!!!“ hüpfte das Einmeter so hoch, daß es am diesem Tag gut und gerne Einmeterzehn hätte heißen müssen. Boidl hat quasi einen Homerun geworfen, in die verkehrte Richtung. Den Ball hat man übrigens nie wieder gefunden. Apropos nie wieder gefunden: bei einem der ersten Trainings auf der Wiese hinter der Polytechnischen (wer kennt das überhaupt noch?) erklärt uns Erich: mit dem Schläger haut man auf den Ball. So weit so gut, das haben wir verstanden. Irgendwann greift sich F. den Schläger. Boing, weg ist die Frucht und überquert nach ca 45 Meter ein Bächleich. Ein „Homerunnerl“ quasi, in Miniaturausführung für Anfänger halt. Voller Freude hupft F. um die Bases (Leiberl, Taschen oder sonstwas, weil Bases hatten wir keine) Aber nur, bis er bei Michael Z. ankam: „Oida, bist deppat? Des kaunst bei an Metsch mochn, oba ned im Training! Mia hom jo nua zwa Boin und jetzt is ana furt!“ Jaja, wir haben es schon immer verstanden, unsere Schläger zu guten Leistungen zu animieren.
Kommen wir zurück zum Baserunning einem besonders guten Thema bei den Ducks, denn die hatten ja immer schon das Talent dazu, mit Baserunning für Verwirrung zu sorgen. Auch im eigenen Team. Und wenns nicht schon immer so war, dann haben wir ja spätestens mit Scherzal einen Meister seines Faches dazugekriegt. Heinz A. hat als Trainer der ersten Jugendmannschaft der Ducks besondere Erinnerungen zu diesem Thema. Kasperlt in Baden bei den Grasshoppers mit seinen Signs als Basecoach herum, ohne beachtet zu werden. „He!!! Signs anschauen!!!“ plärrt er den Runner auf der Ersten an und gibt das Zeichen zum Stealing. Leider sieht das auch der Batter. Was folgt ist ein Klassiker. Noch bevor der nächste Pitch im Handschuh des Catchers landet, läßt der Batter den Schläger fallen und stealt die First Base … was soll man sagen, einen Versuch wars wert. Aber im Ernst, wir glauben er den Sinn des Spiels nicht verstanden. Wir sind ja vom Gegner auch oft nicht verstanden worden. Zum Beispiel Raoul, Jan und Fili: die Gorgonzola-Brothers. Haben im Infield alles platt gemacht und nebenbei die A-Sprache erfunden: „gamma scharzal, as scha aat da tap, valgas ha am assa!“- alles klar soweit? Manche haben sie für Marokkaner gehalten. Die drei Gorgonzolas waren bei den anderen echt unbeliebt und das hat sie sehr gefreut. Verständnisprobleme gab´s auch mit anderen. Zum Beispiel in Arizona 1995: raus aus dem Auto, rein ins Trainingsgelände. Plötzlich hören wir Schüsse. Oder doch nicht: es stellt sich raus, daß ein langer Kerl mit dicken Unterarmen, wie ein Böser die Bälle durch den Battingcage wuppt. Roman, auf Augenhöhe mit dem Langen im Cage:“Hi there! Where´s the coach?“, woraufhin er einen verständnislosen Blick erntet. Sein kleiner Cousin Thomas zupft ihn am Ärmel:“ Des is da Mark! Da Mark McGwire!“ „Oba geh!“ dröhnt Roman zurück und versucht es nochmal:“Hey! You! Where´s the coach!?!“, aber mehr als eine wirre, mürrische Handbewegung schaut nicht heraus. Während er zum Clubhaus schlurft, quengelt der andere Kaubek ständig herum:“Der McGwire! Der McGwire! I sog da, des woa da McGwire!!!“ „So a Schas, da McGwire, wos sui der do? Glaubst der hot Zeit, dass er do deppat im Käfig steht?“ Endlich im Clubhaus angekommen, treffen sie auf den Coach. Seine Frage: „Hey guys, how did you find me?“, beantwortet Roman lapidar mit: „Big guy in the cage told us!“ Die Antwort des Coaches kann sich wohl jeder denken. „Oh, Mark McGwire….“ Immerhin, so nahe wie Roman kommt man der Major League selten. Naja, Dieter der Wurm hat es sogar einmal bis in die Tschechoslowakei geschafft. Das ist nix Besonderes denkt ihr? Im Jahr 1992 war das aber noch so. Zumindest, wenn man am Weg zum Trainingslager vor der Grenze (die damals noch wirklich eine Grenze war) draufkommt, dass man keinen Pass mithat. Also wird der 16jährige Dieter (die personifizierte „weisse Hoffnung“ der Ducks) kurzerhand von uns ins Klo des Autobusses gesperrt und einfach über die Grenze in den Ostblock geschmuggelt. Wenn das früher andersrum auch so einfach gewesen wäre. Irgendwie war Dieter während des ganzen Trainingslagers nicht so richtig locker. Wolfgang L. und Christian F. haben es sogar bis in den Locker Room der LA Dodgers geschafft. Beim Spiel der Dodgers gegen die Giants durften sie auf Einladung von Easton vor dem Spiel in die Garderobe. Haben sogar einen Ball mit dem Autogramm von Tony Lasorda. Toll, oder? Viel besser war es allerdings Orel Hershiser die Hand zu schütteln und mit ihm vor dem Spiel über Baseball in Österreich zu quatschen. Wir glauben, dass Hershiser einer der wenigen war, die uns nicht für Kängurus hielten, da er erzählte, deutsche Vorfahren zu haben…. Immerhin wurden wir ja auf der Anzeigetafel im Candlestick-Park als „members of an australian Baseball team“ willkommen geheißen. Schade, dass es davon kein Foto gibt. Noch mehr schade, dass es von uns und Hershiser kein Foto gibt, denn der gute Mann hat die ganze Zeit in Unterhosen mit uns rumgesessen. Auch das ist nicht erfunden, genausowenig wie die Tatsache, dass er im Jahr zuvor den World Series MVP Award gewonnen hat. Trotzdem, in Unterhosen hat er nicht sehr bedrohlich ausgesehen….
Tja, vieles davon ist so gewesen, definitiv. Manches könnte auch so gewesen sein, oder zumindest hätten wir gerne gewollt, daß es so gewesen wäre. Und gar nichts davon ist erfunden, und wenn doch, dann war es gut erfunden und ist so oft erzählt worden, dass es schon wieder wahr ist.
